Vor kurzem hat mich jemand auf X gefragt: „Was denkst du darüber, wenn man eine Kreditkarte bekommt und das Geld zum Investieren nutzt?“
Meine kurze Antwort dort war: Kommt auf den Zins an, bei 0% Aktion kurzfristig denkbar, aber riskant. Hier die ausführliche Version — und warum ich es selbst nie machen würde.
Meine klare Position
Investieren mit fremdem Geld — egal ob über Kreditkarte, Kredit oder Hebel — ist nichts für die meisten von uns. Auch nicht für mich.
Wer mit Schulden investiert verdoppelt nicht seine Chance. Er verdoppelt sein Risiko. Das ist keine Mathematik die sich zu deinen Gunsten verschiebt, nur weil du mehr Kapital im Spiel hast als du eigentlich besitzt.
Es gibt Profis die das systematisch und kontrolliert machen. Die meisten von uns sind das nicht. Und genau deshalb dieser Artikel.
Szenario 1: Kreditkarte zu 0% und das Geld investieren
Die Idee klingt erstmal clever: Eine Kreditkarte bietet 0% Zinsen für die ersten Monate. Du nimmst das Geld, steckst es in ETFs oder Aktien, und während die Kreditkarte 0% kostet, läuft dein Investment womöglich mit Plus.
Das Problem: Die Rate läuft trotzdem. Die 0% gelten meist nur für eine begrenzte Zeit — danach greifen oft zweistellige Zinsen. Und der Markt kennt deine Kreditkarten-Frist nicht. Wenn der Markt während der Ratenlaufzeit fällt, sitzt du auf zwei Problemen gleichzeitig: einem Verlust im Depot und einer Rate die weiterläuft, egal was im Depot passiert.
Du hast in diesem Moment kein Polster mehr. Das Geld ist im Markt gebunden, die Schuld ist fix. Wenn du verkaufen musst um die Rate zu zahlen, verkaufst du im Minus — und genau dann, wenn du es am wenigsten willst.
Meine Einschätzung: Das ist etwas für Fortgeschrittene, die exakt wissen wie hoch ihr Risikopuffer ist, wann die 0% enden, und die im Notfall die Rate auch ohne das investierte Geld bedienen können. Für den Großteil von uns: Finger weg.
Szenario 2: Hebel- und Margin-Trading
Hebel verspricht das Gleiche in einer anderen Verpackung: Mit wenig Eigenkapital große Positionen bewegen. Bei Krypto, CFDs oder Margin-Konten ist das technisch easy — ein Klick, und du handelst mit dem 2-, 5- oder 10-fachen deines Einsatzes.
Ich habe selbst monatelang an einem Trading-Bot für Kraken gearbeitet — BTC/USD, ETH/USD, SOL/USD, mit Margin-Funktionen. Verschiedene Strategien getestet, RSI-Mean-Reversion, Donchian-Breakout, sogar ein „Premium-Setup“ mit sieben Filtern. Über 270 simulierte Trades, ein komplettes Backtest-Framework über 120 Tage Marktdaten.
Das Ergebnis: Über alle Strategien hinweg — durchgehend negativ. Und das war Paper-Trading. Simuliertes Geld, keine Emotionen, keine Gebühren-Hektik, keine schlaflosen Nächte.
Mit echtem Geld und Hebel wäre der psychologische Druck ungleich höher gewesen — und die Ergebnisse vermutlich nicht besser. Wenn selbst ein durchdachtes, getestetes System im Trockenlauf nicht zuverlässig profitabel ist, wie soll es das mit Hebel und echtem Druck sein?
Warum Hebel das Risiko nicht linear, sondern existenziell macht
Ohne Hebel: Der Markt fällt 30%, dein Depot fällt 30%. Unschön, aber du behältst deine Position und kannst aussitzen.
Mit Hebel: Der Markt fällt 10%, und je nach Hebelstufe ist dein Eigenkapital komplett weg — Margin Call, Position wird automatisch geschlossen. Du kannst nicht mehr aussitzen. Die Entscheidung wird für dich getroffen, im schlechtesten Moment.
Genau das ist der Unterschied zwischen „Verlust“ und „raus aus dem Spiel“.
Was ich stattdessen mache
Mein Weg ist langweilig, und das ist Absicht: Sparrate, die ich mir leisten kann. Investiert in Positionen, die ich verstehe. Kein Geld investieren das ich nicht habe oder das ich kurzfristig brauche.
Das bedeutet ich werde nicht über Nacht reich. Aber ich kann auch nicht über Nacht alles verlieren. Bei einem langfristigen Ziel — und mein Ziel sind 5 Millionen Euro — ist das der einzige Weg der konsequent funktioniert: Zeit im Markt statt Timing, eigenes Geld statt fremdes.
Mein Fazit
Investieren mit Schulden oder Hebel kann funktionieren — für Leute die ihr Risiko exakt kennen, die einen Plan B haben, und für die ein Totalverlust kein existenzielles Problem ist.
Für alle anderen: Finger weg. Nicht weil es verboten ist. Sondern weil der Markt keine Rücksicht auf deine Kreditkartenfrist oder deinen Margin Call nimmt. Bau dein Vermögen mit Geld auf das wirklich dir gehört. Das ist langsamer. Aber es ist das einzige Geld das dir niemand wegnehmen kann, wenn der Markt mal einen schlechten Tag hat.
Hinweis: Dieser Artikel ist keine Anlageberatung, sondern meine persönliche Meinung und Erfahrung. Investieren mit Hebel und Fremdkapital birgt erhebliche Risiken bis hin zum Totalverlust.